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[Review] Rampage – Rache ist unbarmherzig

OT: Rampage; Kanada 2009; Regie: Uwe Boll; Darsteller: Brendan Fletcher, Shaun Sipos, Michael Paré, …

„Rampage – Rache ist unbarmherzig“ so der deutsche Titel dieses Films von Uwe Boll zum Thema Amoklauf. An alle die jetzt denken: „Oh nein, ein Boll, nichts wie weg!“ sei gesagt, dass dieser Film qualitativ nichts mit den wenig geschätzten Videospielverfilmungen wie „House of the Dead“ oder „Bloodrayne“ zu tun hat. Obwohl es ein Videospiel namens Rampage gibt: ein Arcade Game in dem man mit Riesenmonstern Großstädte platt macht. Dieses dient aber nicht als Grundlage für diesen Film obwohl der Hauptdarsteller auch eine ganze Stadt platt macht 😉

Die actionreiche, sinnentleerte aber unterhaltsame Handlung der vorherigen Filme weicht hier einem realistischen, ernsthaften und grausamen Stil. Eine verwackelte Kamera begleitet dabei den Hauptdarsteller am Tag seines lang geplanten und gut vorbereiteten Amoklaufs durch seine Heimatstadt, eine verschlafene Kleinstadt in den USA. Zunächst lernen wir Bill, seine Eltern und seinen besten Freund kennen. In improvisierten Dialogen (Boll hatte nur die Schwerpunkte, nicht aber einen genauen Wortlaut vorgegeben) erfahren wir dass die Eltern ihn zwar lieben und sich um ihn sorgen aber ihn auch aus dem Haus haben wollen, schließlich ist er schon Anfang 20 und kann sich doch endlich mal einen vernünftigen Job suchen usw.. Sein Freund wiederum ist ein kleiner theoretischer Revoluzzer, der zwar große Reden schwingt aber nie etwas davon in die Tat umsetzen würde.
Die, wie gesagt, improvisierten Dialoge sind dabei ein Highlight des Films. Sie wirken ungezwungen und realistisch. In Verbindung mit der Handkamera (die ich eigentlich nicht so mag, die aber in diesem Film wie die Faust aufs Auge passt) wirkt z.B. das Gespräch mit seinen Eltern so, als hätte man wirklich eine Familie beim Frühstück gefilmt: da wird natürlich viel durcheinander geredet und auch mal gestammelt. Nicht wie in einem normalen Film, in einem ausgearbeiteten Dialog wo Papa fein seinen Satz beendet woraufhin Mama ihren Satz sagen darf ^^ Mit der deutschen Synchro kommt das sehr gut rüber wobei das Orignal wahrscheinlich da noch besser klingt wenn man gut englisch kann.
Ein weiterer erfreulicher Aspekt an diesem Film ist die Motivation des Amokläufers: hier werden keine unrealistischen Klischees bedient. Der Täter ist kein frustierter Loser der keine Freunde hat. Seine Eltern hassen ihn nicht. Er hat sogar einen Job, wenn auch nichts mit Karrierechancen. Er ist nicht mal Counterstrike-Spieler oder Olaf Ittenbach Fan (zumindest wird davon nichts erwähnt ^^). Statt dessen scheint er sich erst mal nur aus Langeweile eine Ganzkörperrüstung zu bauen, Waffen zu besorgen und schließlich einen Amoklauf zu starten. Dabei geht er aber schon ziemlich überlegt vor und löst zum Beispiel bei der Polizei eine Explosion aus, wodurch er die Polizisten vorerst vom Hals hat. Später stellt sich dann heraus dass er einen richtig guten Plan verfolgt hat und auch seine wahre Motivation wird deutlich. Dieses damit relativ überraschende Ende möchte ich hier natürlich nicht verraten.

Zwischen dem dialoglastigen Anfang und dem überraschenden Ende besteht der Film eben aus dem Amoklauf quer durch die ganze Stadt. Dabei geht der Killer kaltblütig und berechnend vor und metzelt mit seinen Schusswaffen dutzende von Menschen nieder und lässt dabei hin und wieder eine zynische Bemerkung los. Splatter gibt es dabei quasi nicht, dass hat der Film aber auch gar nicht nötig. Es ist gut hier realistsch zu bleiben. Von der Stimmung her erinnert mich der Mittelteil doch stark an „Guinea Pig“ da auch hier ohne weitere Handlung die Bluttaten unkommentiert gezeigt werden.

Der Hauptdarsteller Brendan Fletcher, den der geneigte Horrorfan vielleicht aus „Freddy vs. Jason“ kennt, macht seine Sache außerordentlich gut. Für die Hauptrolle wollte Boll ursprünglich Macaulay „Kevin allein zu Haus“ Culkin haben, dieser lehnte aber ab. Zum Glück. Culkin hat zwar auch schon in „Das zweite Gesicht“ gezeigt dass er nicht nur der niedliche Junge von Nebenan ist aber vorstellen kann ich mir ihn heutzutage nicht als ernsthaften Schauspieler.

Die Musik wird passender weise nur dezent eingesetzt. Die deutsche FSK 18 Version ist, wie bei dem Thema nicht anders zu erwarten, stark gekürzt. Eine deutschsprachige Uncut Version ist aber bspw. in den Niederlanden erhältlich, ebenso wie eine Uncut Version mit SPIO/JK Freigabe.

Fazit: Dieser Film ist jedem Horrorfan der es gerne realistisch mag oder am Thema „Amokläufer“ interessiert ist, sehr zu empfehlen. Meisterwerk!

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Dieses Thema enthält 2 Antworten und 2 Teilnehmer. This post has been viewed 74 times Es wurde zuletzt aktualisiert von  FlediDon vor 2 Monate, 2 Wochen. This post has been viewed 74 times

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  • #1180

    mdbnase
    Teilnehmer

    Finde den Film auch sehr gelungen, gerade auch wegen den improvisierten Dialogen. Brendan Fletcher versteht auch sehr gut, was Boll mit dem Film ausdrücken will, weswegen er auch bei den beiden Fortsetzung an der Story / dem Drehbuch mit geschrieben hat. Bei der Charakterzeichnung des Amokläufers Bill Williamson möchte ich aber etwas wiedersprechen. Denn frustriert ist er mMn schon. Zwar lieben ihn seine Eltern, er fühlt sicha ber nicht ernstgenommen und verstoßen, als er ausziehen soll. Auch wenn die Eltern es gut meinen, kommt das bei ihm nicht so an. Zudem hat er lediglich einen Freund, von dem er sich aber auch nicht verstanden fühlt. Und ach sein Job kotzt ihn an, da er sich etwas anderes vorgestellt hat, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Schuld dafür gibt er dem System, weshalb er den Kampf gegen dieses beginnt. Und zwar in dem er beginnt, diejengen zu töten, die sich nicht dagegen auflehnen sondern die Rädchen in der Maschine sind, die das System am laufen halten. Trotz aller Kaltblütigkeit zeigt er ab und an Mitgefühl mit diesen „bedauernswerten“, die einfach alles über sich ergehen lassen, sieht diesese andererseits aber auch als schwach und deshalb nicht Lebenswert an. Noch deutlicher wird dies am Ende des Films.

     

    Der zweiten Teil gefällt mir allerdings fast noch etwas besser. Hier kommt die antikapitalistische Attitüde, die linkspolitische Haltung und die Verachtung der bestehenden Gesellschaftsordnung des Attentäters (und auch die von Boll) noch besser und kompromissloser zum Ausdruck, denn hier wird weniger geballert und mehr die radikalen Ansichten in den Vordergrund gestellt. Auch der dritte Teil soll nicht unerwähnt bleiben, der zwar etwas dick aufträgt, aber einen konsequenten Abschluss der Trilogie darstellt. Für mich sind alle drei Teile sehr sehenswert.

    #1203

    FlediDon
    Keymaster

    Du hast in gewisser Weise recht damit das er schon frustriert ist usw. aber es ist halt nicht so klischeehaft dargestellt wie das in einem Hollywood Film der Fall wäre.

    Teil 2 ist auch sehr gut, stimmt. Teil 3 hab ich noch nicht gesehen obwohl der schon seit Monaten in meinem Regal steht… muss ich demnächst mal machen.

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