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[Review] Addio Uomo

Addio Uomo ist nicht nur ein weiterer gelungener Kurzfilm im Dokumentarstil von René Wiesner (Das Wundern des jungen Ulysses, Ossarium), der sich dem Thema Tod widmet. Es ist zusätzlich noch ein besonderes Experiment: was machen zwei verschiedene Regisseure aus dem gleichen Ausgangsmaterial?

Zu diesem Zweck filmte Réne Wiesner in Thailand eine Ausstellung zum Thema menschliche Überreste und die Umgebung drum herum. Aus diesem Material machten dann er und der Regisseur Magnus Blomdahl jeweils ihren eigenen Kurzfilm.

Es wird also in beiden Versionen etwa das gleiche gezeigt: Leichen als Ausstellungstücke in verschiedenen Stadien der Verwesung, mal noch ganz frisch, mal mit zermatschtem Kopf. Sogar Babyleichen und siamesische Zwillinge gibt es da zu sehen. In gewisser Weise erinnert das an die bei uns bekannten Körperwelten Ausstellungen, nur nicht so klinisch rein.
In der Umgebung gibt es noch erschreckende Bilder von verkrüppelten Tieren und Menschen die offensichtlich dafür verantwortlich sind.

Vom Stil her könnten die beiden Kurzfilme aber nicht unterschiedlicher sein. Fangen wir mit René Wiesners Version an, die den Titel „Addio Uomo – The Last Road of Man“ trägt:
In seinem bekannten Dokumentarstil wird in aller Ruhe jedes grausame Detail gezeigt. Ohne besondere Toneffekte oder zugefügte Hintergrundmusik, lässt er die Bilder für sich sprechen. Und die Bilder wirken auf den Zuschauer: erzeugen Ekel, Faszination, Unverständnis. Mit fast 15 Minuten wirkt der Film an manchen Stellen allerdings auch etwas langatmig, auch weil manches mehrmals (aus verschiedenen Perspektiven) gezeigt wird.

Magnus Blomdahls Version mit dem Titel „Addio Uomo – The Blomdahl Cut “ dagegen zeigt die Ausstellung der Toten in weniger als der Hälfte der Zeit (ca. 7 Minuten) und damit wesentlich kompakter und kurzweiliger. Durch schnelle Schnitte, treibende Beats und Bildstörungseffekte sieht der Kurzfilm wesentlich moderner aus. Er wirkt dadurch aber auch wie Sensationsjournalismus. Durch die eingesetzten Effekte soll das Gesehene dramatischer gemacht werden als es eigentlich ist.

Blohmdahls Version hat auf jeden Fall auch etwas. René Wiesners Fassung hinterlässt aber einen bleibenderen Eindruck. Durch die ruhigere, ausführlichere Art wird man mehr zum Nachdenken über das Gezeigte angeregt, während man bei Blohmdahls Version mehr davon erschlagen wird. Interessant ist noch der Unterschied, dass Wiesner die Tierszenen dem Museumsbesuch voranstellt, während Blohmdahl sie erst nach dem Besuch der Ausstellung zeigt. Hier zeigt sich eventuell was der jeweilige Regisseur als erschreckender erachtet hat.

Eine Handlung oder einen Spannungsbogen haben beide Experimental-Doku-Kurzfilme nicht. Ähnlich wie in Ossarium wird ein Aspekt gezeigt wie andere Kulturen mit dem Tod umgehen. Das ist in jedem Fall interessant und auf eine morbide Weise beeindruckend! Einen „normalen“ Kurzfilm sollte man aber nicht erwarten.

Fazit: Ein weiterer gelungener Experimental-Doku-Kurzfilm von René Wiesner zum Thema Tod in anderen Kulturen. Diesmal sogar in zwei Versionen. Sehenswert!

Filminfo:
OT: Addio Uomo; Deutschland, Thailand 2018; Regie: René Wiesner/Magnus Blomdahl

Die Rechte aller verwendeter Bilder (Filmplakate, Cover, Screenshots) liegen bei den jeweiligen Filmmachern/Publishern und werden von dieser Seite als Bildzitat verwendet um das Review zu untermauern.
Bildquelle: https://www.imdb.com/title/tt6992698/mediaviewer/rm4271133184
imdb.com

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