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[Review] Mondo Siam

Wer René Wiesners Kurzfilme kennt, kann sich ungefähr vorstellen, worauf man sich mit seinem ersten Langfilm „Mondo Siam“ einlässt. Wie seine bisherigen Werke (zum Beispiel Das Wundern des jungen Ulysses, Ossarium), ist auch sein neuer Film eine besondere Art von Dokumentation, die sich im weitesten Sinne um den Tod und die Wertschätzung des Lebens in verschiedenen Kulturen dreht.

Die Szenen, die diesmal in Kambodscha, Laos und Thailand gedreht wurden, zeigen verschiedene reale Aufnahmen, die mal brutal, mal eklig, mal verstörend sind. So sieht man mumifizierte Leichen in einer Ausstellung, ein unappetitliches Schlachtfest bei einer Familienfeier, Tierquälereien im Zoo, missgebildete Menschen zwischen feiernden Touristen auf einem Marktplatz und religiöse Rituale. Das alles wirkt sehr befremdlich, aber man fragt sich doch ob wir in Deutschland so weit davon entfernt sind. Vielleicht haben es die Tiere im Zoo bei uns etwas besser, auf engen Raum eingesperrt sind sie trotzdem und ein Spanferkel ist auch nichts anderes als das geschlachtete Schwein bei der Feier.

Während das ‚Siam‘ im Filmtitel der frühere Name von Thailand ist, spielt ‚Mondo‘ auf das Genre aus den 1960ern und 70ern an, das Filme wie „Mondo Cane“ oder „Gesichter des Todes“ hervorgebracht hat. Der Bezug auf die Mondo-Filme passt zum einen, da auch diese in einem Dokumentarfilmstil reißerische und grausame Szenen aus aller Welt gezeigt haben. Der Unterschied ist aber, dass die Mondos mehr eine Art Pseudo-Dokumentationen waren und zumindest teilweise gestellte Szenen zeigten. Letztendlich waren sie durch einen Kommentator und Darsteller als eine Art Spielfilm inszeniert.

Bei René Wiesner hingegen ist alles echt. Das besondere ist außerdem, dass es kein gesprochenes Wort in seinen Filmen gibt, lediglich ein paar Texte sind zu sehen, wenn sie denn eben in der aufgenommenen Umgebung vorhanden waren. Dadurch gibt es keinen Kommentator der die Szenen erklärt oder gar wertet, der Zuschauer kann und darf alles für sich selbst einordnen.

Der Film fasziniert auf eine „so schlimm dass man nicht weg schauen kann“ Art. René Wiesner, der neben Regie auch für Produktion, Kamera, Buch und Schnitt verantwortlich war, zeigt das Geschehen als stiller Beobachter, ohne einzugreifen, ohne zu kommentieren, ohne Wertung, und versetzt den Zuschauer damit selbst in die Rolle des Voyeurs, der sich vermeintlich an den schrecklichen Bildern ergötzt, aber auch zum darüber Nachdenken angeregt werden soll.

Wie bei seinen anderen Filmen zeigt „Mondo Siam“ wieder, dass René Wiesner einen Sinn dafür hat, interessante Sachen gekonnt mit der Kamera festzuhalten. Dadurch wie er die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zeigt, wie lange er auf welchen Details verharrt und so weiter wird das Gezeigte spannend inszeniert. Unterstützt werden die Bilder wieder einmal von der Musik von Stephan Ortlepp/Musica Non Grata, die man einfach nur als genial bezeichnen muss. Durch die ruhige, mysteriöse und unheilvolle Musik gewinnt das Geschehen ungemein an Atmosphäre und Dramatik.

Einen Kritikpunkt habe ich aber am Film: die einzelnen Szenen sind zwar in sich spannend, es mangelt aber an einem roten Faden der sich durch den Film zieht. Außer dem ganz allgemeinen Thema „Tod“ verbindet die einzelnen Szenen kaum etwas, sie wirken mehr wahllos zusammen gestückelt. Dadurch gibt es keinen richtigen Spannungsbogen, keine Entwicklung und auch keinen Höhepunkt am Ende. Als eine Art Spielfilm funktioniert er also nicht, das will der Film aber auch gar nicht.

Fazit: Brutal, eklig, verstörend! Toll inszenierte Untergrund-Dokumentation über den Tod in verschiedenen Kulturen.

Filminfo:
OT: Mondo Siam; D 2020; Regie: René Wiesner

Die Rechte aller verwendeter Bilder (Filmplakate, Cover, Screenshots) liegen bei den jeweiligen Filmmachern/Publishern und werden von dieser Seite als Bildzitat verwendet um das Review zu untermauern.
Cover by Traffart
imdb.com

Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=KwvwQzvfFZs

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