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[Review] Im Studio hört dich niemand schreien (WoF 2019, Theaterstück)

Nach einer Pause im letzten Jahr, lief beim Weekend of Fear 2019 endlich wieder eine Aufzeichnung des aktuellen Theaterstücks von Jörg Buttgereit. Was vor ein paar Jahren als Experiment begann, ist nun zur Tradition geworden und so hat man exklusiv beim Weekend of Fear die Möglichkeit die Aufnahmen der Theaterstücke, die eigentlich nur für interne Zwecke erstellt werden, anzusehen. Mittlerweile werden diese sogar extra mit zwei Kameras aufgenommen, um ein bisschen Dynamik herein zu bringen. An der Bildqualität sieht man aber, dass die Aufnahmen nicht für eine professionelle Veröffentlichung geeignet wären.

Das neue Stück, das aktuell noch am Theater in Dortmund läuft, basiert lose auf dem Film „Barberian Sound Studio“ wobei Jörg Buttgereit noch Inhalte und Anspielungen an seine Lieblingsgiallos von Dario Argento hat einfließen lassen. Die Handlung dreht sich um den deutschen Tonmeister Maximilian Schall der vom italienischen Regisseur Dario Winestone engagiert wird um den Sound für seinen neuen Giallo „Im Studio hört dich niemand schreien“ aufzunehmen. Maximilian, der bisher hauptsächlich Naturdokumentationen vertont hat (!), ist sichtlich angewidert von den brutalen Szenen. Nach und nach findet er aber gefallen an seiner Aufgabe, auch durch die Zusammenarbeit mit den Darstellerinnen die die Synchronisation einsprechen, zum Beispiel die Tochter des Regisseurs Asia und seine Frau Daria.

Die Handlung des Stücks ist eher dünn und lebt von den vielen Anspielungen. Wer allerdings die referenzierten Filme, insbesondere Suspiria, Die neunschwänzige Katze und Vier Fliegen auf grauem Samt, nicht kennt, hat vermutlich nicht all zu viel Freude damit. Jörg Buttgereit hat es sich allerdings zur Aufgabe gemacht das Theaterpublikum filmhistorisch zu bilden und somit ist dieses Stück hoffentlich für den einen oder anderen Zuschauer der Einstieg in die wunderbare Welt der italienischen Schlitzerfilme.

Für alle Kenner der Materie ist „Im Studio hört dich niemand schreien“ jedenfalls eine wahre Freude. Neben den vielen Anspielungen und Verweisen, zum Beispiel auch einem Indizierungsbericht aus dem zitiert wird, entwickelt sich die Handlung selbst zum Giallo und ist – mit den Mitteln die bei einem Theaterstück zur Verfügung stehen – auch optisch so inszeniert, zum Beispiel in dem manche Szenen im dunkeln Spielen, mit knalligen Farben ausgeleuchtet werden und die Schauspieler typisch overacten. Auch die Auflösung am Ende ist typisch überraschend und weit hergeholt, genau wie in den Vorbildern. Etwas schade ist nur, dass das komplette Stück nur in einer Kulisse, dem Tonstudio, spielt.

Die Aufzeichnung kann natürlich nur einen ungefähren Eindruck vermitteln, besser und wirkungsvoller ist das Stück sicherlich wenn man es live im Theater sieht. Dazu hat man aktuell in Dortmund noch die Gelegenheit.

Außerdem wird noch ein aktuelles Thema mit eingeflochten. Der Nachname des Regisseurs englisch ausgesprochen „Winestone“ erinnert nicht zufällig an einen gewissen Hollywoodproduzenten. So belästigt Dario seine Schauspielerinnen sexuell. Ob das allerdings auch eine Anspielung an Argento sein soll, weiß ich nicht, zumindest sind mir derartige Vorwürfe nicht bekannt.

Fazit: Herrn Buttgereits aktuelles Theaterstück ist gleichzeitig eine Abhandlung über Giallos und ein Giallo selbst. Sehr unterhaltsam und empfehlenswert!

Infos:
OT: Im Studio hört dich niemand schreien (Theaterstück); Deutschland 2018; Regie: Jörg Buttgereit; Darsteller: Caroline Hanke, Ekkehard Freye, Uwe Rohbeck, …

Die Rechte aller verwendeter Bilder liegen bei den jeweiligen Filmmachern/Publishern und werden von dieser Seite als Bildzitat verwendet um das Review zu untermauern.
Bildquelle: https://www.theaterdo.de/uploads/events/images/Im_Studio_hoert_Dich_niemand_schreien_Szekely_0322.jpg

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